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dvd-dynastie-saison-2Als Mittel April 2015 Hillary Clinton ihre Kandidatur fuer die U.S.-Praesidentschaft ankuendigte und auch Jeb Bush bereits die Hufen nicht mehr ruhig halten konnte, konnte man in deutschen Gazetten lesen: zwei Dynastien treffen mal wieder aufeinander. Obwohl die U.S.-Waehler durchaus sich gerne zwischen dem royalen Glanz der Kennedys und der Ablehnung royalen Impetus osszilieren sehen, wuerden sie nicht auf die Idee kommen, in den Familien Bush und Clinton eine Dynastie zu sehen.

Was aber ist dran an der „Dynastie“ der Clintons und der Bushs? Hier muss man ein wenig in die Historie schauen, denn unbestreitbar gehoeren beide Familien derzeit in ihren Parteien zu den einflussreichsten Akteuren und erfolgreichsten Spendensammlern, die die USA momentan aufzubieten hat. Aber noch in den 1980er Jahren waere niemand auf die Idee gekommen, dass sie die Politik ueber mehr als 20 Jahre dominieren.

 

Familienrueckblick

hillbillAber: anders als die Kennedys handelt es sich bei den Familien Bush und Clinton nicht um weit verzweigte Familien, die ueber das ganze Land verstreut und in unterschiedlichsten Positionen die USA agieren. Die Clintons bestehen aus exakt zwei Personen: Bill und Hillary. Ihre Tochter Chelsea hat einen anderen Weg eingeschlagen und engagiert sich lediglich in der Familienstiftung als Kuratorin. Sie ist Mutter und Mitarbeiterin einer New Yorker Investmentbank. Natuerlich, sie tritt von Zeit zu Zeit mit ihren Eltern auf politischen Veranstaltungen auf. Dass sie jedoch eigene politische Ambitionen hat und diese kontinuierlich verfolgt, ist bislang nicht bekannt. Selbst wenn Clinton mit dem Sohn von Edward Mezvinsky, 1973-77 demokratischer Kongressabgeordneter aus Iowa, verheiratet ist, entsteht dadurch noch keine Dynastie. Bill Clinton selber kommt aus eher einfachen Verhaeltnissen und ist als Einzelkind aufgewachsen, weshalb auch hieraus keine weit verzweigte Familienlandschaft entstehen kann.

Und die Bush’s? Hier schaut es strukturell etwas anders, aber im Ergebnis durchaus aehnlich aus. George H.W. Bush, der erste Praesident aus der Familie, hatte zwar eine Politikerkarriere systematisch geplant und war 1967 fuer den Staat Texas erstmals in Repraesentantenhaus eingezogen. Aber seine Soehne hatte er in seine langfristige Karriereplaene dabei nicht einbezogen und gerade was seinen Sohn George anbelangt, sah es lange so aus, als waere der spaetere zweite Praesident aus der Familie der Bushs eher das schwarze Schaf der Familie. Bush jun. (1) suchte dann auch eher sein Heil in der Wirtschaft, war dort mehr oder weniger erfolgreich und bewarb sich im erzkonservativen Texas um das Amt des Gouverneurs. Und auch sein Bruder Jeb, der nunmehr nach der Praesidentschaft greifen will, war der Weg in die Politik nicht vorprogrammiert und er fand den Einstieg in die Politik ebenso ueber das Gouverneursamt in Florida.

Dynastien in der U.S. Politik

Was unterscheidet nunmehr die Clinton‘s und Bush’s von der einzigen wirklichen „Dynastie“, die die U.S.-Politik jemals hervor gebracht hat, dem Clan der Kennedys? Zunaechst fehlt beiden Familien bereits das Montaene. Der Familiensitz der Familie in Hyannis Port in Massachussets war der Inbegriff eines mondaenen Begegnungsortes, dem Kennebunkport nie gleichgestellt war. In Hyannis Port kamen die grossen der amerikanischen Gesellschaft zusammen, Kennebunkport wurde erst und nur vereinzelt durch den zweiten Bush im White House als Empfangsort genutzt.

Wichtiger aber ist: die Kennedys waren eine weit verzweigte Familie, die nicht nur in der Politik, sondern auch in den Wirtschaft und in der Kultur ueber ein weitverweigtes NRCC-get-well-soon-President-BushNetz von einflussreichen Familienmitgliedern verfuegten. Der Zwei-Personen-Betrieb der Clintons konnte dies nicht erreichen, aber auch die Bush’s waren nur in der Politik erfolgreich – alle wirtschaftlichen Unternehmungen waren eher durchwegs von Scheitern gepraegt.
Dynastien in der U.S. Politik

Auch wenn also die Bush’s und die Clinton’s seit ueber 20 Jahren die politische Wahrnehmung der USA dominieren wie kaum eine andere Gruppe – in den letzten sieben Praesidentschaftswahlen seit 1988 nahm nur an einer kein Vertreter aus den beiden Familien teil -, kann von einer Dynastie nicht gesprochen werden. Sollte sich Chelsea Clinton nicht noch anders entscheiden, wird mit dem Abtritt von Hillary Clinton die Clinton-Aera abgeschlossen sein. Und ob ein weitere Spross der Bush’s nach Jeb Bush die Muehlen des Politikbetriebes auf sich nimmt, ist momentan auch noch nicht festgeschrieben.

Deutsche Medien haben also wieder einmal ins Blaue hinein diskutiert. Sie kennen die Verhaeltnisse nicht und fluechten sich ins ungefaehre, in maechtigen Begriffen ohne Inhalt. Man kann also auch in Zukunft von der Berichterstattung zum angehenden Praesidentschaftswahlkampf nicht viel erwarten.